Nachrichten vom Tenojoki

Land des Wasser und der Berge



Der Norden Lapplands ist ein Land des Wassers, der Wälder und der Berge. Verschiedene geographische Formationen treffen hier unmittelbar aufeinander - das ist beeindruckend und macht den einmaligen Reiz dieser Landschaft aus, wie das 250 km lange Tenojoki-Inarijoki-Flusssystem - das längste, frei fließende Gewässer im Land der Sámi (s. Karte). In diesem Flusstal fügen sich unberührte Natur und alte Kulturlandschaft zu einem harmonischen Ganzen.

Im Tenojoki (joki = Fluss) und seinen Nebenflüssen, die sich von der Küste bis tief in die Täler des Hinterlandes erstrecken, halten sich die begehrten Atlantiklachse auf. Auch deshalb gilt der Tenojoki als einer der fischreichsten Flüsse der Welt. Über den Jiesjoki und Utsjoki fließen etwa 20 Seen verschiedener Größe in den Tenojoki ab. Die größten sind der Jiesjärvi (järvi = See), der Vetsikkojärvi und der Pulmankijärvi.



Der so stetig anwachsende Strom Tenojoki wird zudem von über 40 naturschöne Nebenflüsse und deren eindrucksvolle Quellseen gespeist, was bedeutet, dass es ein wahres Bachforellenparadies ist - kristallklare Gewässer von erhabenen Bergen umsäumt. Über die Ödlandufer erbebt sich die stattliche Bergkette des Muotkatunturi (tunturi = kahler Berg) mit seinen imposanten Gipfeln und Schluchten. Wild und mystisch ist das Mittelgebirge im Herzen des Tenojokigewässers, um das sich zahlreiche Legenden ranken.

Die Quellflüsse des Tenojoki entspringen im finnisch-norwegischen Grenzland, dem Land der Fjällbirkenwälder und Moore. Der Hauptstrom beginnt am Abfluss des Skietsimjärvi (oberster See) in der Gemeinde Inari und fließt die ersten 100 km reißend über eine Vielzahl von Stromschnellen. Das Gefälle liegt bei etwa einem Meter pro Kilometer.



Weiter flussabwärts folgen die Fjälle Paistunturit, Raisteagaissat u. a. Am Talvadas öffnet sich die weite Landschaft Fjäll-Lapplands. Auf norwegischer Seite erheben sich die Höhen des Rastigaissa in feierlicher Gleichmäßigkeit. Der Rastigaissa ist 1050 m über Meeresspiegel die höchste Erhebung des Tenojokigewässers. Auf finnischer Seite ist die Landschaft uneinheitlicher. Die Fjällketten werden immer wieder von tiefen Tälern durchschnitten.

Gegen die Ortschaft Nuorgam beruhigt sich der Fluss, an den Ufern liegen Hochwasserwiesen und ausgebreitete Moorgebiete. Von den vielen Stromschnellen im Unterlauf ist die jähe Alaköngäs-Schnelle besonders sehenswert. Die letzten 80 Kilometer fließt der Strom ganz gemächlich zum Eismeer und verbreitet sich zu einem weiten Delta. Hier spürt man den Duft von Eismeer. Tief durchatmen! Die würzige Luft ist unwechselbar. Wo sonst treffen Meer und Natur so einzigartig zusammen wie an der Mündung des Tenojoki?



Vom Glück des Lachsfischen





Die weiten Seen, die ruhigen Gewässer und der Tenojoki sind reich an Fischen von höchster Qualität und erwarten die "Petri-Jünger" aus aller Welt - ob Anfänger oder Fortgeschrittene. Der Fluss Tenojoki inmitten des Herzens von Nord-Lappland gehört zum längsten Gewässersystem Skandinaviens. Der Angler findet am Tenojoki und seinen Nebenflüssen Unmengen an Wildfisch, vor allem sehr gute Forellen- und Äschenfanggründe. Hier gehen aber auch Hechte und Renken an den Haken, außerdem zählt er zu den besten Fanggebiet für Lachs. Der Angeltourismus am Teno (sámisch: deatnu) ist bereits jetzt sehr gut organisiert und die ortskundigen Führer verraten gern die besten Fangplätze.

Der Tenojoki eignet sich aber auch gut für Wasserwanderungen, zum Rudern und zum Paddeln. Bootsreisen verlangten Können und Kraft. Es musste gerudert, gestakt, das Boot mit dem Seil die Stromschnellen empor und über die Wasserscheiden hinweg gezogen werden. Flussabwärts ist mitunter das Können eines Wildwasserfahrers gefragt: ein scharfes Auge, Erfahrung, Geduld, Entschlossenheit und schnelles Reaktionsvermögen.

Die Region ist bequem zu erreichen, ob mit Auto oder Flugzeug. Vom Ort Ivalo beispielsweise ist das Angelglück nur rund 120 Autominuten entfernt. Hier liegen die Seen Luomusjärvi, Jiesjärvi, Pulmakijärvi und Vetsikkojärvi, in denen die verschiedensten Fischarten leben. Besonders häufig sind Forelle, Saiblinge, Maräne. Auch einige der Berggewässer sind dank guter Infrastruktur leicht zu erreichen. Und auch das Eisangeln hat hier eine lange Tradition und ist ein pures Wintervergnügen.



Der Fluss Teno mit seinen Seitenarmen ist und bleibt aber der wichtigste Atlantiklachswasserlauf der Welt. An der Flussmündung befindet sich das größte unberührte Delta in Europas. Schon immer war der Lachsfisch für die hier lebenden Einwohner eine der wichtigsten Nahrungsquellen und auch heute ist es für die Einheimischen ein Höhepunkt, wenn die Lachse flussauf ziehen. Mit untrüglichem Instinkt findet der im Teno geborene Lachs zu seinem Geburtsfluss und Laichplatz zurück. Die ersten Lachse machen sich schon zu Beginn des Frühjahrs auf den Weg, die letzten im Juli. Bis zu den Quellwassern des Tenojoki und seiner Nebenflüsse ist es eine lange Reise, auf viele Gefahren lauern. Der Mensch ist die schlimmste davon.

Die Lachfischerei im Tenojoki wird allerdings durch strenge Vorschriften geregelt. Der neueste Vertrag dazwischen Finnland und Norwegen schreibt vor, dass Sportfischer den Lachs nur mit Fliege und Blinker von einem Boot aus fangen dürfen, das zudem einem Bewohner des Flusstals gehören muss.

Gestern - heute - morgen



Der See Inarinjärvi ist das größte Binnengewässer in finnischen Norden, reich an bewaldeten Inseln und Klippen, durch dessen Mitte der neunundsechzigste Breitengrad verläuft. In diesem kristallklaren See haben seit alters her die Sámi gefischt, ihre ältesten Siedlungsorte waren am Vetsikkojärvi und Pulmankijärvi.

Die zentrale Rolle für eine dauerhafte Besiedlung, vor allem die feste bäuerliche Ansiedlung, spielte im nördlichen Lappland und in den angrenzenden Gebieten der Lachs, der jedes Jahr in den großen Flüssen aufsteigt. Der wertvolle Fisch lockte früher und lockt heute noch immer Händler an, so dass der Lachs durch sein reiches Vorkommen und seine Qualität den Hohen Norden auch auf den entferntesten Markplätzen bekannt machte.

Der Lachs war und ist bis heute der wichtigste Fisch der Region. Von alters her hatte aber auch der getrocknete Fisch aus den Seen eine große Bedeutung. Die Binnenseen waren außerdem Fanggründe für die große und kleine Maräne. Hatte man den frühsommerlichen Lachsfang und die hochsommerliche Heuernte hinter sich, war die Zeit der herbstlichen Maränenfischerei gekommen. Der Fischfang war für viele Einheimische eine so große Verlockung, dass sie ihre Landwirtschaft mitunter arg vernachlässigten.

Im Gebiet des Tenojoki lebten die meisten Bewohner in großer Abgeschiedenheit und nur von dem, was ihnen die karge Natur zu bietet hatte: von der Rentierzucht, Fischerei, Jagd und einige Wenige vom kümmerlichen Ackerbau. Schon früh wurden besonders am Inarijoki die Uferwälder abgeholzt und an den fruchtbaren Ufern Ackerbau und Viehzucht betrieben. Der Fluss war zugleich von alters her Verkehrsweg von Enontekiö zum Eismeerstrand. Auf der norwegischen Seite folgen die meisten Berg-Sámi noch heute ihren Rentieren - im Sommer nach Norden zum Eismeerstrand, im Winter nach Süden in die Umgebung des Tenojoki - sie wechseln noch zeitweilig während der Sommermonate ihren Wohnsitz. Die Fischer-Sámi dagegen sind bereits vor ein paar Jahrhunderten an Tenojokifjord sesshaft geworden.

Die Bewohner der Nordkalotte hatten sich niemals damit zufrieden gegeben, sich nur in ihrer allernächsten Heimat aufzuhalten, sondern der Geschäftssinn hatte sie über Hunderte von Kilometern in die Ferne getrieben. Obwohl es Wege und Straßen im heutigen Sinn nicht gab, fanden die Menschen des Nordens immer ihren Weg. Die Sprache der Sámi kennt ein gemeinsames Wort für "Land-und Wasserweg": geaidnu. Im Sommer fuhr man mit Booten, z. B. auf dem Kemijoki und dem Ounasjoki und von dort zum Käkkälöjoki, von dessen Oberlauf eine Verbindung zum Tenojoki besteht und damit bis hin zum Eismeer. Im Winter fuhr man mit dem Schlitten. Mit Reif überzogene Zugpferde und Rentierschlitten-Karawanen gehören auf der Karigasniemi-Utsjoki-Route der Vergangenheit an. Heute ist der größte Teil der Reisenden mit dem eigenen Auto unterwegs. Ein Öffentliches und sehr zuverlässiges Verkehrsmittel ist der Postbus. Die Post wird dabei während der Fahrt von geschickter Hand in die großen Öffnungen der Briefkästen der wenigen Häuser geworfen. Die Bewohner des norwegischen Flussufers lassen ihre Fahrzeuge zumeist auf finnischer Seite stehen und setzen mit dem Boot über den Grenzfluss.

Aus meinem Tagebuch der Erinnerungen: Gemütliche Hütten, grandiose Landschaft



Es gibt viele Möglichkeiten, die malerischen Gebirgslandschaften Lapplands mit ihren geheimnisvollen Mooren und idyllischen Flüssen und Seen zu erkunden. Im Sommer suche ich mein Glück und Erholung zumeist irgendwo zwischen Inarisee und Tenojokigewässer - und bin bisher immer fündig geworden! Vom Fischreichtum einmal abgesehen lockt mich auch der Komfort mitten in der Natur. Eine gemütliche Mökki (Blockhütte) am Tenojoki, ein solides Angelboot vor der Tür, die geschützte Terrasse mit Blick auf majestätische Berge: Das sind die Zutaten für einen erholsamen Urlaub. Hier finde ich in der klaren Natur die heilsame Ruhe; hier kann ich nicht nur das Wasser rauschen, sondern auch die Stille hören und den ganzen Berufsstress vergessen.

Diese Blockhütte auf einem Hügel am Teno - eine schönere habe ich nicht gesehen. Sie steht von mächtigen Birken umgeben, auf halber Höhe eines niedrigen Waldhangs, der eine kleine Bucht umsäumt. Am Horizont, sehr fern, blaue Berge, durch den Uferwald schlängeln sich Rentierpfade. Die kleinen, ausgetrockneten Sümpfe landeinwärts, sind gut zu begehen. Selbstverständlich ist das Überleben im strengen neun Monate dauernden arktischen Winter nicht leicht.

Ich erinnere mich oft an Jahr 1979. Unsere Forschungsgruppe zog im August von Angeli nach Karigasniemi und danach weiter zum Tenojoki. Als wir uns Karigasniemi näherten, erblickte ich die Berge, weit über dem Fluss am Horizont. Da ist der Iskuras, der Ailigas, der heilige sámische Berg, und der Rastigaissa. Ich will nicht leugnen, dass mich dieser Anblick immer wieder ergreift. Die Berge sind es, deren Bild meine Vorstellung vom Tenojoki und seiner Umgebung prägten.

Später besuchte ich den Ailigasberg, der sich neben dem Dorf Utsjoki erhebt. An diesen Berg habe ich eine merkwürdige Erinnerung. Hie verlor ich allmählich das Gefühl für die Zeit. Ich glaube, dass das Schwinden des Zeitgefühls nicht nur von der Gewöhnung an das immer taghelle Licht des arktischen Sommers verursacht wurde, sondern mehr noch durch die enorme Weitläufigkeit dieser Landschaft am Teno. Das Gebirge auf der norwegischen Seite, das ich zwischen Wolken und Horizont sah, bedeutet kahle Berge. Da hinten ist der Rastegaissa, und wenn ich richtig sehe, ist sein bockiger Gipfel schon mit Schnee überpudert. Der Rastigaissa ist der höchste Berg dieses Gebietes.

Die achtzig Kilometer von Karigasniemi nach Utsjoki legt der Postbus jetzt in einer guten Stunde zurück. Ich hatte diese Fahrt viel länger in Erinnerung. Wahrscheinlich deshalb, weil das Gedächtnis sich an den Eindrücken orientiert und sie speichert, als diese Strecke noch neu für mich war. Der kleine Gastraum im Välimäkicafé füllt sich allmählich mit Wartenden, alle in bunten Sámi-Kleidern mit Fellstrümpfen. Fast ausschließlich Männer.

Im Postbus höre ich, dass man im Tenojoki mit Netzen und Sperrfängen fischt. Die Fischer im Haupt- und Nebenberuf wenden diese Methoden an. Die einheimischen Fischer verkaufen ihre Fische, sofern sie nicht im Haushalt aufgebraucht werden, an einen Händler in Nuorgam,Utsjoki, Karigasniemi oder an die vielen Touristen. Die Sámi fischen dort, wo schon ihre Väter und Großväter fischten, sperren mit ihren Netzen immer die gleichen Buchten, statt sie im offenen See zu verlegen.

Ich treffen einen Fischer, der fragt, ob er mir frische Fische bringen soll. Ich stimme freudig zu. Sein Boot verschwindet auf dem Fluss. Schon nach einer Stunde legt er wieder an, zeigt mir den Fang und lässt mich wählen: einen großen Lachs und eine Lachsforelle. Die Fische werden noch am Strand geschlachtet und ausgenommen. Zum Abendessen gibt es dann die Lachsforelle, mit Kartoffeln, Butter und ...